Soweit die Hufe tragen

Also, ob ihrs glaubt oder nicht, es gibt doch tatsächlich Bleischuhe für Pferde. Also ich dachte ich seh nicht recht...

Angefangen hat dieses Abenteuer damit, dass mein Schmied zu Sabrina sagte: "Jo, Mädel also übern Winter kriege mern no so, aber dann messe mer gucke, dass mer do was druf mache..."

Hä? Bitte welche Sprache spricht denn der, dachte ich so bei mir und machte mir keine weiteren Gedanken. Denn er hat ja wie immer nur Hufe geschnitten und gefeilt, was ich ja schon kannte.

Und dann kam der Frühling und es stand mal wieder ein Schmiedebesuch an. An diesem denkwürdigen Tag nahm das Schicksal seinen Lauf.

Der Schmied kam mit jeder Menge Bleischuhe für Pferde im Gepäck - man nennt sie Hufeisen, wie ich später erfuhr.

Als dann Sabrina und ich an die Reihe kamen, schaute sich der Schmied meine Hufe an und meinte nur: "hinten gehts, aber vorne werden wir nicht drumrum kommen Eisen draufzumachen, da läuft er sich zu stark ab..."

Sabrina diskutierte noch ein bßchen mit ihm und fragte wies mit Kuststoffeisen aussehen würde und obs denn wirklich sein müsse.

Aber der Schmied beharrte wohl darauf, daß ich entweder Eisen bräuchte oder eben nur noch auf die Koppel stehen könnte. Letztere Idee wäre ja sehr verlockend gewesen, aber damit war Sabrina natürlich nicht einverstanden.

Tja, und dann kam der Schmied mit einigen Eisen in verschiedenen Größen und hielt sie mir an den Huf, um zu schauen, welcher denn passte. Und er hat doch tatsächlich ein passendes Eisen gefunden, Modell "Extraschwer" muß das gewesen sein, wenn ihr mich fragt.

Dann wurde es laut, weil das Eisen wohl noch zurecht geschliffen werden mußte. Es sprühten Funken, aber das alles störte mich nicht wirklich und ich wartete ab, was als nächstes passieren würde.

Ich hörte Sabrina sagen: "Er hat noch nie Eisen drauf gehabt. Das sind seine ersten und ich weiß nicht was er macht."

Der Schmied war ja ein ganz lieber, hat sich erst mal mit mir unterhalten und mir erklärt, was er da überhaupt jetzt machen muß. Wir einigten uns dann in dem Gespräch auch drauf, dass erst einmal kalt aufgenagelt wird.

Und ratzfatz war ich im Besitz von zwei Vordereisen an meinen Hufen. Als Sabrina den zweiten Huf nach dem Aushalten absetzen wollte, kam ich ihr zuvor. Tschonk, au weh, ich hab ihr damals den Huf direkt auf ihren Fußzeh gesetzt. Man mit den Dingern dran waren die Hufe aber auch schwer.

Wir liefen dann eben beide etwas komisch in den Stall zurück an diesem Tag. Ansonsten fand ich diese erste Begegnung mit Hufeisen nicht weiter schlimm. Aber mal ganz ehrlich, so richtig gewöhnen konnte ich mich in der folgenden Zeit nie daran. Irgendwie lief ich immer viel unsicherer als ohne Eisen. Es war ja auch immer viel rutschiger mit den Dingern.

Später im neuen Stall hatten wir dann einen neuen Schmied, weil der andere nicht so weit fahren konnte.

Da habe ich dann zum ersten Mal hinten auch Eisen bekommen und die wurden auch noch alle vier aufgebrannt.

Weh getan hat es ja nicht, aber der Geruch hat mich total unruhig gemacht. Sabrina stand zwar da und hat mich beruhigt. Aber ganz geheuer war mir diese Sache dann doch nicht und ich bin ein bißchen durch die Stallgasse gehüpft auf drei Beinen. Sabrina hat ordentlich geschwitzt beim aufhalten, weil ich mich immer gegen sie lehnte. Geholfen hats nix, weil am Ende stand ich trotzdem mit vier Eisen da. Jetzt war das alles noch rutschiger als vorher. Ui, da kanns schon mal passieren, dass die Füße unter einem wegrutschen.

Nach dem vierten Beschlag hatte ich dann Risse vom Kronrand ausgehend in der Hornwand von beiden Vorderhufen. die Risse bluteten immer wieder und das tat natürlich weh. Also konnten wir wieder einmal nichts schaffen. Sabrina ritt mich ein bißchen im Schritt, damit ich bewegt wurde oder ging mit mir spazieren.

zuerst wurden die Risse zugekleistert mit Kunsthorn. Das brachte aber nichts, weil die Risse wuchsen trotzdem offen weiter runter. Und dann bekam ich Rundeisen, damit die Risse runterwachsen können und die Hufe oben geschlossen bleiben. Das hat dann auch einigermaßen funktioniert.

Sabrina hatte mittlerweile wohl schon das dumpfe Gefühl, dass die Idee mir Eisen draufzumachen nicht die beste gewesen ist, die sie gehabt hat.

Also hat sie dem Schmied beim nächsten Mal gesagt, sie möchte, dass ich wieder ohne Eisen laufen, sobald die Risse soweit geschlossen runtergewachsen sind, dass man sicher sein kann, dass sie nicht mehr aufreissen.

Der Schmied fand die Idee nicht besonders gut. Sabrina dafür umso mehr. Sie holte mir eine Hufpflegerin, die ihr erklärte, dass die Chancen Risse zu bekommen ohne Eisen wesentlich geringer wären.

Sprachs und ich bekam die Eisen abgenommen. Endlich! Ich lief kein bißchen fühlig ohne Eisen. Es war die große Freiheit für meine Füße. Seitdem laufe ich wieder unten ohne und ich finde es wesentlich angenehmer. Sabrina hat mir auch versprochen keine Eisen mehr draufzumachen, solange es nciht unbedingt notwendig ist.

Vermutlich bekomme ich in nächster Zeit ein paar Turnschuhe für Pferde - jawoll auch das gibt es, ob ihrs glaubt oder nicht - weil mir auf den Kieselsteinen die Füße wehtun.

Warten wirs ab! Vielleciht wird das ja mein nächstes Abenteuer?

 

15.4.10 17:24

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